Der Wind und die Sonne

 

Der Wind und die Sonne

Eines Tages trafen sich der Wind und die Sonne und unterhielten sich angeregt.
Mit der Zeit nahm ihre Unterhaltung mehr und mehr kämpferische Züge an.

Der Wind sagte zur Sonne:
"Ich wette mir Dir, dass ich stärker bin als Du!"

Die Sonne nahm die Wette an. Beide blickten nach unten auf die Erde und sahen eine Stadt mit vielen Menschen, die in dicke Jacken und Mäntel gehüllt waren, denn es herrschte gerade Winter.
Die Wette war, wer von beiden als erstes die Menschen dazu brächte, ihre Jacken und Mäntel auszuziehen.

Die Sonne versteckte sich hinter einer Schar von Wolken und der Wind durfte beginnen. Er blies richtig kräftig auf die Menschen herab. Diese fassten ihre Jacken und Mäntel und hüllten sich noch tiefer in sie ein. Je kräftiger der Wind blies, desto mehr versteckten und schützten sich die Menschen in ihren Kleidern. Nach ein paar Stunden gab der Wind erschöpft auf. Er hatte all seine Kraft investiert, alles gegeben, nun war er platt und müde. Doch kein einziger Mensch hatte seine Jacke oder seinen Mantel ausgezogen.

Dann war die Sonne an der Reihe. Sie kam hinter den Wolken hervor und lächelte sanft und nett auf die Menschen hinab. Und je mehr sie lächelte, umso wärmer wurde es und es dauerte nicht lange, ehe die ersten Menschen ihre Jacken auszogen. Je länger die Sonne mit all ihrer Freundlichkeit hinab strahlte, umso wärmer wurde es und viele Menschen begannen sogar, sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.

Die Sonne hatte dem Wind die Lektion gelehrt, die so viele Menschen von uns nie verstehen:
Mit Freundlichkeit und güte kommt man im Leben weiter als mit Druck und Gewalt.

Die kleine Schraube

Es gab einmal in einem riesigen Schiff eine ganz kleine Schraube, die gemeinsam mit vielen anderen ebenso kleinen Schrauben zwei große Stahlplatten miteinander verband. Diese kleine Schraube fing an bei der Fahrt mitten im Ozean etwas lockerer zu werden und drohte heraus zu fallen.
Da sagten die nächsten Schrauben zu ihr: "Wenn du gehst, dann gehen wir auch." Und die großen Nägel unten am Schiffskörper sagten: "Uns wird es auch zu eng, wir lockern uns auch ein wenig."
Als die großen Schiffsrippen das hörten, riefen sie: "Um Gottes willen bleibt! Denn wenn ihr nicht mehr haltet, dann ist es auch um uns geschehen!“
Das Gerücht vom Vorhaben der kleinen Schraube verbreitete sich schnell durch den riesigen Körper des Schiffes. Es ächzte und erbebte in allen Fugen. Da beschlossen sämtliche Rippen, Platten, Nägel und Schrauben eine gemeinsame Botschaft an die kleine Schraube zu senden, sie möge doch bleiben, denn sonst würde das ganze Schiff auseinander fallen und niemand von ihnen jemals die Heimat erreichen.
Das baute die kleine Schraube auf. Mit einem gewissen Stolz wurde ihr nun bewusst, welch große Bedeutung ihr im Gesamtgefüge zukam. Zufrieden ließ sie sagen, sie wolle an ihrem Platz bleiben.